Pressespiegel und Veröffentlichungen

22.02.2010 Rems- Zeitung

Patienten früh und effektiv helfen

Telefonaktion der Remszeitung mit dem Netzwerk für Essstörungen in Ostalbkreis

25.02.2010 Rems- Zeitung

Hilfe und Wege zur Hilfe

RZ-Telefonaktion zum Thema Mager- und Brechsucht

Integrierte Versorgung bei Essstörungen Erste Ergebnisse in der Evaluation eines Modellprojektes

Alexander Bahle , Martin von Wachter, Askan Hendrischke, Jörn von Wietersheim
Psychologische Medizin, Sonderheft 2010: 66

Kooperation in der Integrierten Versorgung: Erfolgsbedingungen interdisziplinärer Zusammenarbeit am Beispiel des „Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis“

Henrike Köhler-Rönnberg, Christoph Abel, Martin von Wachter, Askan Hendrischke, Jochen Schweitzer-Rothers
Psychologische Medizin, Sonderheft 2010: 66
Veröffentlichung in: John N. Weatherly (Hrsg.), Ralph Lägel (Hrsg.). Neue Versorgungsansätze in der Psychiatrie, Neurologie und Psychosomatik. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 8/2009

Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis
Joseph Bühler, Martin von Wachter


http://www.szon.de 09.05.2009

Projekt widmet sich Essstörungen

AALEN - "Ich bin von dem Projekt Feuer und Flamme", hat der stellvertretende AOK-Geschäftsführer Josef Bühler bei der gestrigen Pressekonferenz zum "Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis" (NEO) gesagt. Die Bilanz des seit zwei Jahren laufenden Hilfs- und Behandlungsprojekts fällt durchweg positiv aus.

15 Frauen sind derzeit im NEO-Projekt, eine von ihnen war beim Pressegespräch mit dabei, um für das Netzwerk, das ihr den Weg aus der Erkrankung gezeigt hat, zu werben. Der wesentliche Unterschied zu ihrer Situation vor zwei Jahren sei heute der ganz normale Umgang mit Lebensmitteln. "Essen war für mich etwas Feindliches, jetzt kann ich es wieder als normal betrachten."

Die junge Aalenerin, die anonym bleiben möchte, leidet schon seit Jahren an Anorexia, an Magersucht. Für sie stand bisher nur der konventionelle Behandlungsweg über medizinische und psychologische Therapien offen. Ein langwieriger und nur selten nachhaltig erfolgreicher Weg. Deshalb initiierten 2003 Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter das "Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis NEO". Erklärtes Ziel war, die bestehenden Hilfs-, Beratungs- und Therapieangebote für anorexie- und bulimiekranke Patienten besser aufeinander abzustimmen und zu koordinieren. Nach Jahren positiver Erfahrung mit dieser Vernetzung sollte der angestrebten sektorübergreifenden Gesamtbehandlung mit einem Vertrag eine stabile Grundlage gegeben werden.

Dazu gewinnen konnten die Initiatoren die AOK Ostalb, die 2007 für ihre Mitglieder die Vereinbarung zur integrierten Versorgung unterschrieb und dadurch die Finanzierung fachübergreifender Kooperationsleistungen und Behandlungsmaßnahmen sicherstellte. "Damit war es erstmals möglich, koordinierte multimodale Angebote für essgestörte Patienten im Sinne eines Gesamtbehandlungsplans auch im ambulanten Bereich zu realisieren", hob Dr. Martin von Wachter (Ostalb-Klinikum) hervor.

Für die AOK zugleich ein wirtschaftlich wegweisender Schritt, denn die konservative Anorexiebehandlung kostet die Kasse im Schnitt 20000 Euro pro Patient, durch -das NEO-Konzept halbiert sich diese Summe. Bedeutender jedoch sei die nachhaltige Hilfe für die Betroffenen, so Josef Bühler.


© Schwäbische Post 09.05.2009, Anke Schwörer-Haag

Nützt Patienten und spart Geld

Nach drei Jahren ziehen die Partner eine positive Bilanz des Netzwerkes Essstörungen

Josef Bühler würde den 100-seitigen Vertrag sofort wieder ausarbeiten und unterschreiben. Der stellvertretende AOK-Geschäftsführer ist überzeugt, dass das im Jahr 2005 gegründete Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis (NEO) sich dreifach bezahlt gemacht hat: Für die Patientinnen, die Ärzte und Therapeuten und für die Krankenkasse.

In diesem Netzwerk arbeiten Beratungsstellen, Ärzte, Therapeuten, Kliniken und Suchtexperten Hand in Hand. Wer sich als Patient(in) auf NEO einlässt, erlebt abgestimmte Kombination aus ambulanten Einzel- und Gruppentherapien, Ernährungsberatung und Begleitung. „Das Konzept liegt zwischen stationärer und ambulanter Behandlung und erspart dem Patienten die Erfahrung, dass in der Klinik vieles klappt, was im Alltag später nicht mehr funktioniert“, schildern Psychologin Annegret Drescher sowie der Neurologe und Psychiater Martin Seiler. Suchtberater Berthold Weiß findet es gut, dass der Drehtür-Effekt unterbrochen wird – das oft jahrelange Schwanken der Patientinnen zwischen Behandlung und anschließendem Scheitern, das zur erneuten Behandlung führt. NEO könne helfen, besser mit dem Problem Essen umzugehen. „Das Lebensmittel wird nicht mehr als Feind empfunden, eine Mahlzeit ist nicht mehr angstbehaftet“, bestätigt eine Betroffene, die zu den ersten Patientinnen mit NEO-Erfahrungen gehört und, weil sie besonders die Gruppentherapie so gut fand, jetzt sogar eine Selbsthilfegruppe gründen will.

Was wiederum die Drehtür bremse, der Patientin nütze und Geld sparen helfe, sagt Josef Bühler und rechnet vor, dass die übliche Einzeltherapie-Behandlung von Essstörungen pro Jahr 20 000 Euro koste. Die intensive Betreuung in dem gemeinsam mit Dr. Martin von Wachter von der Psychosomatischen Klinik aufgebauten Netzwerk dagegen koste weniger als die Hälfte.

Hilfe und mehr Info unter Tel. (07361) 59060 oder www.mein-neo.de


© Schwäbische Post 08.05.2009, Anne Schührer

Hilfeschrei ungehört

Zehn Jahre leben mit Bulimie – eine 30-Jährige hat ihre Krankheit überwunden

„Pendeln zwischen Küche und Klo“. Das war lange Jahre ihr Alltag. Sibylle A. (Name geändert) war über zehn Jahre lang ess-brech-süchtig. Seit 18 Monaten lebt sie „symptomfrei“ in einer Kreisgemeinde. Über ihr Leben mit Bulimie und die Überwindung der Krankheit berichtet sie.

Wie ist Ihre Essstörung entstanden?
Schon mit zehn Jahren beschäftigte ich mich mit dem Thema Gewicht. Bei einer Untersuchung in der Grundschule wurde unter den Mädchen zum ersten Mal das Gewicht verglichen. Wenig später fühlte ich mich in meinem Körper sehr unwohl. Ich fühlte mich von meinem Spiegelbild verfolgt. Schaufenster und Spiegel wurden mir zum Horror. Ich hasste mich für mein Aussehen. Mit 14 Jahren habe ich im Schullandheim zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass ich mit Essen oder Nichtessen Aufmerksamkeit bekomme. Ich war krank, konnte nichts essen und stand plötzlich im Mittelpunkt der Mitschüler und Lehrer.

Weshalb war Ihnen diese Aufmerksamkeit so wichtig?
Ich war ein sehr schüchternes, angepasstes Kind. Meine Eltern waren selbständig, hatten wenig Zeit. Von mir wurde erwartet, das ich funktioniere, keine Bedürfnisse anmelde. Gleichzeitig hatte ich als Älteste viel Verantwortung, musste mich um die jüngeren Geschwister kümmern. Fremde Menschen haben mir Angst gemacht. Ich habe gelernt, dass ich mich richtig verhalten muß, nicht auffallen darf. In meiner Familie gab es keine liebevollen Blicke. Ich fühlte, dass ich immer etwas leisten muss.

Wie wurde aus dieser Suche nach Aufmerksamkeit eine Essstörung?
Durch einen Umzug wurde meine Schüchternheit und Unsicherheit noch verstärkt. Hinzu kam die Pubertät und die körperlichen Veränderungen. Ich mied andere Menschen, fühlte mich allein gelassen, hatte keinen Halt. Wahrscheinlich hoffte ich, durch andere diesen Halt zu bekommen. Darum war mir die Aufmerksamkeit so wichtig.

Kam die erwünschte Reaktion?
Nein, ich wurde nie auf meinen Zustand angesprochen. Deshalb habe ich immer weiter gemacht. Ich hätte mir gewünscht, dass sich jemand um mich kümmert, meinen Hilfeschrei hört. In der neunten Klasse hatte ich dann zum ersten Mal nach einer Phase des Hungerns eine Heißhungerattacke. Ich verfiel in Panik, weil das Joggen allein nichts mehr brachte. Aus Verzweiflung übergab ich mich. Das Erbrechen hatte damals noch keine Strategie. Bis zum Abitur konnte ich mit den Mahlzeiten jonglieren und zuhause behaupten, ich hätte in der Mittagspause gegessen. Vom Gewicht war ich im Grenzbereich, ich war nie extrem untergewichtig.

Wie hat sich die Bulimie verstärkt?
Mit dem Auszug aus dem Elternhaus erhoffte ich mir die maximale Freiheit. Endlich konnte ich Essen oder Nichtessen wie ich wollte. Während des Studiums erbrach ich täglich zweimal. Damals brachte ich das Krankheitsbild Bulimie mit mir in Zusamenhang. Ich habe gefastet, Diäten ausprobiert, gab das Studium auf, begann eine Ausbildung. Ich verfiel in depressive Phasen. Sah teilweise vier, fünf Tage keinen Menschen, stand morgens nicht auf. Ich fühlte mich in meinem Körper gefangen. Ich wollte mich nicht ans Leben binden. Ich war zu feige zum Sterben und zum Leben.

Wie sah ihr Alltag aus?
Tagsüber hatte ich in meiner Ausbildung einen festen Rahmen. Ich aß den ganzen Tag nichts, kam mit einem Heißhunger nach Hause. Abends und am Wochenende pendelte ich zwischen Küche und Klo. Ich habe irgendetwas gegessen und danach sofort erbrochen, fünf bis sieben Mal hintereinander. Gegessen habe ich billige Lebensmittel, zur Not Mehl, Fett und Zucker zusammengerührt. Ich konnte mich auf nichts anderes mehr konzentrieren.

Welche Auswirkungen hatte die Bulimie auf ihr soziales Leben?
Mein Bewegungsradius wurde sehr eng. Ich konnte längere Zeit nur mit Freunden verbringen, die von meiner Krankheit wußten. Ich konnte nicht mit Anderen in den Urlaub oder gemeinsam essen. Spontane Kontakte waren nicht möglich. Ich litt am Leben. Ich hatte zwar immer Freunde. Ein echter Kontakt war aber nicht möglich, die Sucht war immer dazwischen.

Gab es körperliche Auswirkungen?
Der Kreislauf spielte verrückt. Vom Unterzucker war ich oft sehr benebelt. Nachts fühlte ich mich, als ob ich einen Herzinfarkt hätte. Ich war nicht mehr leistungsfähig. Meine Ausbildung habe ich miserabel abgeschlossen.

Was waren die Beweggründe professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Das Leben machte mir Angst. Ich war immer unzufrieden. Ich hatte das Gefühl, dass ich in die Klinik muß, sonst läuft mein restliches Leben schief. Allerdings war diese Klinik nicht die richtige. Ich war überfordert mit der Gruppenarbeit. Nach den sieben Wochen fühlte ich mich wie ein kleines Kind, das in der fremden Welt ausgesetzt wird. Ich habe danach zehn Kilogramm zugenommen und aus Panik vor der Gewichtszunahme nachts gejoggt. Drei Monate habe ich ohne Erbrechen durchgehalten, danach war der Rückfall umso schlimmer.

Wie überwanden Sie die Krankheit?
Mit 28 Jahren machte ich eine stationäre Therapie. Dieses Mal war sie tiefenpsychologisch und christlich orientiert. Diese Therapie war bahnbrechend. Etwas in mir konnte heilen. Ich hatte das Gefühl, ich bin angenommen ohne, dass ich etwas leisten muß. Es war ein warmes Umfeld, die Therapie ging länger, ich hatte mehr Zeit, mich an neue Essstrukturen zu gewöhnen, mich selbst zu finden.

Wie sieht nun Ihr Alltag aus?
Seit eineinhalb Jahren lebe ich symptomfrei. Ich gehe in ambulante Therapie und in die Nachsorge. Ich mache Fortschritte. Ich habe nach wie vor Ängste im Umgang mit anderen Menschen und depressive Strudel. Diese werden aber weniger und ich weiß, dass ich auch zu dieser Welt gehöre. Ich habe gute Freunde, die mir Halt geben. Neben der Arbeit entdecke ich Hobbies. Zum ersten Mal merke ich, was mir Spaß macht. Ich entdecke mich selber, habe Träume und Wünsche. Ich hätte nie gedacht, so frei sein zu können.


www.gesundheitsnetz-ostalbkreis.de August 2008

Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis NEO

Essstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei pubertierenden Mädchen und jungen Frauen. Zunehmend sind auch Männer betroffen, im Verhältnis 1:10. Artikel
© Schwäbische Post 06.03.2008 anke Schwörer-haag

Zwei Gruppen und eine Kampagne

100 Tage hat das Netzwerk Ess-Störungen im Ostalbkreis (neo) jetzt auf dem Buckel – und die Macher ziehen eine erste Bilanz, die da lautet: Die Idee bewährt sich. 13 Betroffene werden bereits betreut – in jeweils einer Gruppe in Aalen und Gmünd. Das überregionale Interesse der Fachwelt ist riesig.

aalen „neo“ steht für die Idee, dass Beratungsstellen, Suchthilfe, Psychologen, Krankenkassen, Haus- und Fachärzte in einem Netz zusammenarbeiten, um Patienten mit Ess-Störungen zu helfen. Für dieses Miteinander hat man im Ostalbkreis eine Struktur geschaffen, die Hilfs-, Beratungs- und Therapieangebote koordiniert und über einen integrierten Versorgungsvertrag finanziert wird. Normalerweise würden die Beteiligten bei den Krankenkassen keine Bezahlung abrechnen können für die unbedingt notwendigen monatlichen Fallkonferenzen und Qualitätszirkel, erklärt Dr. Martin von Wachter von der Psychosomatischen Klinik am Ostalbklinikum. Weil man aber erkannt habe, dass nur durch diese Zusammenarbeit dem Patienten wirklich wirkungsvoll und zeitnah geholfen werden kann, habe man das Netz geknüpft, erklärt er – und mit der AOK Ostalb einen interessierten und konstruktiven Partner gefunden.

„Wir nehmen für diesen innovativen Weg viel Geld in die Hand“, sagt Josef Bühler, der stellvertretende AOK-Geschäftsführer in Ostwürttemberg. Trotzdem seien die rund 500 000 Euro pro Jahr gut investiert, denn gerade bei Ess-Störungen sei mit einen „Drehtür-Effekt“ zu rechnen – sprich vielen Doppeluntersuchungen und Behandlungen bei unterschiedlichsten Ärzten und Therapeuten – wenn es keine Koordination gebe. In der Regel müssten die Kassen durchschnittlich mit 20 000 Euro pro Patient und Jahr kalkulieren. Der Vertrag zur integrierten Versorgung helfe also nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Finanziers, die mittel- und langfristig mit Einsparungen rechnen könnten. „Ich bin positiv gestimmt, dass es funktioniert“, sagt Bühler nach den ersten 100-„neo“-Tagen.

Und findet ein ebensolches Echo bei Josef Rettenmaier, dem Sozialdezernenten den Ostalbkreises. Mit dem Verbund habe man die Herausforderung Ess-Störung angenommen, das interessierte Echo der Fachwelt zeige, dass dieser Schritt wirklich innovativ ist.

„Sucht endet immer mit dem Tod, wenn man sie nicht zum Stillstand bringt“, warnt Berthold Weiß, der Suchtbeauftragte des Ostalbkreises. Besonders bei Ess-Störungen sei es schwierig, den Zeitpunkt zu finden, ab dem sich krankes Verhalten entwickelt. Und es bedürfe niederschwelliger Angebote, zu denen Betroffene, deren Bekannte oder Angehörige den Zugang finden. Deshalb hat „neo“ jetzt eine Kampagne gestartet, die das Netzwerk bekannter macht, verteilt zum Beispiel Werbekarten in Kneipen, Discos und Schulen oder hat eine Internetseite eingerichtet.

Gedanken machen müsse man sich immer dann, wenn eine Diät der anderen folge oder wenn sich bei einem Menschen die meisten Gedanken ums Thema Essen drehten, lautet abschließend Dr. Martin von Wachters Tipp für besorgte Eltern und aufmerksame Lehrer.

Weitere Info unter www.mein-neo.de und Caritas-Beratungsstellen (07361) 59060 oder (07171) 10420-20


Veröffentlichung in Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin 1/2008

Die integrierte Versorgung von Essstörungen - ein innovatives Versorgungsprojekt des Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis/Württ. NEO und der AOK Baden Württemberg

v. Wachter, M, Brickwedde, U. , Hendrischke, A.
[Artikel]


Gesundheit plus 3/07, Herbert Kullmann

„Wir sollten Essstörungen interdisziplinär behandeln“

Die Aalener Psychosomatik ist Motor eines bundesweit einmaligen integrierten Versorgungsprojektes [Artikel im Gesundheit plus 3/07]
Veröffentlichung in German Medical Science 2007

Die integrierte Versorgung von Essstörungen - ein innovatives Versorgungsprojekt des Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis/Württ. NEO und der AOK Baden Württemberg

v. Wachter, M, Brickwedde, U. , Hendrischke, A. ,Klein, T.H. ,Bühler, J.
[Artikel]


AOK 29.03.2007

Neuer AOK-Vertrag hilft Patienten bei Essstörungen

[Artikel]
© Schwäbische Post 30.3.2007
"Netzwerk Ess-Störungen im Ostalbkreis" und AOK schaffen integrierte Versorgung

Patienten helfen und Geld sparen

AALEN Ess-Störung. Die Krankheit werde öffentlich wenig diskutiert, oft zu spät oder nicht richtig erkannt. Betroffene und ihre Familien fühlten sich hilflos, geraten ins Abseits. So beschreibt Dr. Christopher Hermann, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg die Ausgangslage. Keine oder falsche Behandlung, fehlende Hilfsangebote nach Krankenhausaufenthalten führten zum "Drehtüreffekt" - die (überwiegend jungen, weiblichen) Patienten müssten wieder und wieder stationär aufgenommen werden. Neben hohen Kosten (rund 20 000 Euro pro Jahr), die das verursacht, drohe die Krankheit damit chronisch zu werden.

Ein Zustand, wie ihn Dr. Ullrich Brickwedde vor etwa sechs Jahren im Ostalbkreis beobachtet hat. "Die Beratungsstellen liefen über. Eine Weitervermittlung war wegen der langen Wartezeiten bei den Fachärzten nicht möglich." Abhilfe war dringend nötig und deshalb wurde tatkräftig an den Maschen eines Netzes geknüpft, zu dem mittlerweile die Caritasberatungsstellen in Aalen und Gmünd, zahlreiche Haus- und Nervenärzte, die Psychotherapeuten, die Klinik für Psychosomatik und die Kinderklinik in Aalen, die Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie in Ellwangen, die psychiatrischen Tageskliniken in Aalen und Gmünd und der Suchtbeauftragte des Ostalbkreises gehören. Bislang letzter Knoten in diesem Netz ist nun die AOK-Aalen, mit der ein landesweit einmaliger Vertrag unter dem anspruchsvollen Stichwort "integrierte Versorgung" geschlossen wurde. Dazu haben Netzwerk und Kasse einen Gesamtbehandlungsplan erarbeitet, der die Behandlung definiert, Schnittstellen festlegt und bis hin zur Therapieforschung eine Kooperation sichert. "Den Patienten kann früher und wirkungsvoller geholfen werden. Auch der Hausarzt kann als "Arzt des Vertrauens" eingebunden werden", erklärt Dr. Martin von Wachter zum Modell, das hauptsächlich auf ambulante Behandlung mit regelmäßigen Fallkonferenzen setzt.

"Ein solches Modell gibt es landesweit nirgends", unterstreicht Suchtbeauftragter Berthold Weiß und hat erfahren, dass Stuttgarter Expertinnen die Ostalb deshalb schon heute beneiden. Geschäftsführer Till H. Klein hofft, dass mit dem Netzwerk vielen Patienten geholfen werden kann und versichert: "Die Arbeit am Vertrag hat schon deshalb Spaß gemacht." Kontakt zum Netzwerk erhält man über die Caritas-Beratungsstellen Aalen (07361) 59060; Gmünd (07171) 1042020 oder die AOK (07361) 584177.

Anke Schwörer-Haag


© Schwäbische Post 31.3.2007

AUF EIN WORT

Wieder so ein Beispiel: Weil sie bei ihrer täglichen Arbeit gesehen haben, dass es für eine gute Behandlung von Patienten mit Ess-Störungen keine Struktur gibt, haben Ärzte, Beratungsstellen und Psychologen ein exakt passendes Netz geknüpft. Sie haben dafür viel unbezahlte Zeit geopfert und ein so überzeugendes Konzept erstellt, dass die AOK als Krankenkasse für ihre Versicherten über eine "integrierte Versorgung" nun auch die Finanzierung beisteuern kann. Ein guter Weg, denn alles spricht dafür, dass so den Betroffenen besser geholfen und trotzdem Geld gespart werden kann - weil die Behandlung früher einsetzt und die Patienten im Alltag begleitet werden. Das Projekt ist ein typischer Ostalb-Weg, wo man richtigerweise anpackt und in Selbsthilfe Probleme löst. Erfahrungsgemäß und auch diesmal so gekonnt, dass sich dann eine Finanzierung findet.
Anke Schwörer-Haag


Schwäbische Post 6.8.2004
SUCHTVORBEUGUNG / Bilanz des Projektes "Is(s) was!?"

Netzwerk macht weiter

30 Führungen mit 800 Schülern. Großes Interesse. "Das Projekt über "Is(s) was!?" kam an", freut sich Suchtbeauftragter Berthold Weiß. Für das Netzwerk Ess-Störungen ist das ein Signal: "Es zeigt uns, dass es ein Problem-Bewusstsein gibt", sagt Oberarzt Dr. Martin von Wachter von der Klinik für Psychosomatik.

OSTALBKREIS Darauf baut das Netzwerk: Die Kooperation mit Fachkräften aus Sucht- und Erziehungsberatungsstellen und der Jugendarbeit bei der Ausstellung habe gezeigt, dass hier eine sehr hohe Kompetenz vorhanden ist, die unterschiedlichen Aspekte der Essstörungen und Lösungswege jugendgerecht aufzuzeigen. Diese Fachkräfte hatten die 30 Schulklassen mit annähernd 800 Schülern durch die Ausstellung geführt, dabei die verschiedenen Arten süchtiger Essstörungen - Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Fettsucht - angesprochen und über Ursachen geredet.

Der Ausstellung vorangegangen war ein Symposium, das 140 Teilnehmer lockte. Vorträge und Workshops namhafter Experten richteten sich an Hausärzte, Nervenärzte oder niedergelassene Therapeuten. Im Mittelpunkt stand auch die Überlegung, wie unterschiedliche Angebote miteinander vernetzt werden können. Denn für einen längerfristigen Behandlungserfolg ist zum Beispiel eine ambulante Nachsorge wichtig. Deutlich wurde, dass den Suchtberatungsstellen eine Schlüsselrolle zukommt. Sie können durch Motivation und ihren sehr niedrigschwelligen Zugang dafür sorgen, dass Menschen mit Essstörungen einen Weg aus der Krankheit finden.

Ermöglicht wurde das Gesamtprojekt durch eine enge Kooperation mit der AOK, die finanziell und personell zum Gelingen beigetragen hat, und der Kreissparkasse Ostalb. Weitere Info unter www.psychosomatik-aalen.de oder über www.ostalbkreis.de, beim Suchtbeauftragten, Berthold Weiß (07361)503-293, oder bei Dr. Martin von Wachter (07361)55-1801.


Schwäbische Post 13.7.2004 VON ANNI BUCHWEITZ
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG / "is(s) was?!" bis zum 28. Juli im Foyer des Ostalbklinikums

Martern für ein illusorisches Ziel



Riesige, schmerzdunkle Augen, ein verschlossener Mund, zu Strichfiguren reduzierte Körper. Die Bilder, die vom 10. bis zum 28. Juli im Foyer des Ostalbklinikums ausgestellt sind, zeugen beeindruckend von der verzweifelten Frage nach Wert, mit der Essgestörte den eigenen Körper verzerrt wahrnehmen, martern und zum alleinigen Lebensinhalt machen.

OSTALBKREIS "is(s) was?!", fragt und provoziert die Ausstellung, die von rund 700 Schülern besucht werden soll. Sie zeigt vor allem Bilder von Patientinnen des Therapie-Centrums für Ess-Störungen München (TCE). Die Veranstalter wollen mithilfe der Kunst das Tabu Ess-Störungen brechen. Denn für einen Fortschritt in Prophylaxe und Prävention dieser zunehmenden und oft tödlichen Krankheiten seien mehr Sensibilität, Verständnis der Öffentlichkeit und Zusammenarbeit der Institutionen notwendig. In ihrem künstlerisch umrahmten Festvortrag informierte Dr. Monika Gerlinghoff vom TCE über die Störungen und die Therapie.

Die Referentin beschrieb, dass überwiegend junge Frauen an Ess-Störungen erkranken, und zwar häufiger an Magersucht (Anorexie) und Ess-Brechsucht (Bulimia Nervosa) als an Fettsucht. Sicherlich gebe es genetische Veranlagungen für Ess-Störungen - Auslöser seien jedoch individuelle, familiäre und gesellschaftliche Probleme ohne Lösungsaussicht. "Essgestörte fliehen vor dem Leben, vor der Gefahr des Misserfolgs", erklärte Gerlinghoff. Gerade Magersüchtige schafften sich mit Essritualen, fanatischem Kalorienabbau und geschicktem Versteckspiel vor Familie und Bekannten eine eigene Welt, um zu herrschen - wenigstens über den eigenen Körper. Dabei lieferten sie sich der Herrschaft von Kalorientabelle und Waage aus, sehnsüchtig wartend auf das illusorische Ziel eines makellosen, das heißt gänzlich fettfreien Körpers. Denn nur vollendete Schönheit scheine den oft extrem leistungsorientierten Magersüchtigen ein Garant für Glück und Anerkennung. Sich selbst sähen sie als "Müllhaufen hinter einer repräsentativen Maske. Da sind gesundheitlicher Verfall, ja sogar der Tod, denkbar gleichgültig."

Mit einem Drei-Phasen-Therapiemodell lernen Betroffene am TCE normales Essen, verbessern Selbstwertgefühl und Lebenskompetenz. Der erste Monat ist Motivationsphase, denn anfangs wollten viele Patientinnen ihre Sucht nicht ernstlich überwinden. Dann folgten vier Monate Tagesklinik und vier Monate ambulante Phase. Wichtig seien das gemeinsame Wohnen, die Entwicklung kreativer Ressourcen, ein Speiseplan.

Sehr schwierig und nicht selten erfolglos gestalte sich der Transfer in den Alltag. Deshalb sei man Stolz auf die vollständige Heilung bei immerhin rund 25 Prozent der Patientinnen.

Dem Ziel, Ess-Störungen zu bewältigen statt sie angeekelt zu verdrängen, dient im Ostalbkreis seit 2003 das Netzwerk für Essgestörte. Im Ostalb-Klinikum gab es dazu ein großes Symposium.


Schwäbische Post 9.7.2004 VON ULRIKE WILPERT
ESSSTÖRUNGEN / Ausstellung startet heute um 19 Uhr im Foyer des Ostalb-Klinikums Vierzig Schautafeln ermuntern: is(s) was?! Sie will mehr Öffentlichkeit herstellen, und damit das Thema "Essstörungen" aus der Tabuzone herausholen. Die kreisweite Arbeitsgruppe, die sich mit dem Aufbau eines Netzwerks für Menschen mit Essstörungen beschäftigt. Die Ausstellung "is(s) was?!" im Eingangsforum des Ostalb Klinikums in Aalen ist ein erster Schritt in diese Richtung. Eröffnet wird sie heute um 19 Uhr.

Eindrucksvolle Bilder sollen Verständnis wecken und...

OSTALBKREIS Die Arbeitsgruppe von Fachkräften aus Medizin, Beratung und Therapie, die sich mit dem Aufbau eines Netzwerks für Menschen mit Essstörungen beschäftigt (wir berichteten) stellt fest: die Zahl der Gefährdeten und Betroffenen steigt ständig. Diese Tatsache wiegt deshalb besonders schwer, weil Essstörungen immer noch in eine Tabuzone gedrängt werden - von Betroffenen und Angehörigen lange nicht als Krankheit erkannt, sind Essstörungen auch gesetzlich nicht in demselben Maße als Suchterkrankung definiert, wie etwa Alkoholismus. Berthold Weiss, Suchtbeauftragter des Kreises, hält deswegen eine bessere Koordination zwischen den verschiedenen therapeutischen Akteuren und eine bessere Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit für unabdingbar.

Einen ersten Schritt in diese Richtung macht die Ausstellung "is(s) was?!", konzipiert vom Therapiezentrum für Essstörungen des Max-Planck-Instituts in München. Sie will die unterschiedlichen Facetten dieser "heimlichen" psychosomatischen Erkrankung herausarbeiten und gleichzeitig die verschiedenen Ursachen aufzeigen, die zu dieser "Störung" führen können. Insgesamt 40 Stelltafeln informieren über das Thema "Essstörungen", drei weitere sollen über regionale Angebote Auskunft geben.

Die Ausstellung richtet sich an die Öffentlichkeit und gezielt an Schulkinder ab Klasse 7. Den Festvortrag "Essstörungen - Verstehen und Bewältigen" hält heute Abend Dr. Monika Gerlinghoff, Leiterin des Therapiezentrums Essstörungen am Max-Planck-Institut in München.


Schwäbische Post 6.7.2004 VON ULRIKE WILPERT
ESSSTÖRUNGEN / Therapeutisches Netzwerk im Ostalbkreis soll künftig den individuellen Behandlungsweg optimieren Rasche Hilfe durch dick und dünn Im Ostalbkreis soll es ein Netzwerk Essstörungen geben. Dieses soll Menschen helfen, die unter Essstörungen leidenden, damit sie möglichst rasch einen individuellen und kontinuierlichen Weg ohne große Lücken durch die diversen Therapieangebote finden.

"Is(s) was?!" ist der Slogan einer Wanderausstellung...

AALEN "Essstörungen befinden sich immer noch in einer Tabuzone", monierte noch vor einem Jahr Hedwig Wunderlich, Diplom-Sozialpädagogin in der psychologischen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete der Caritas Ostwürttemberg. Damals schrieb diese Zeitung über das Thema "Bulimie - Magersucht - Esssucht". Denn: Während eine ambulante Therapie etwa für Alkoholiker in der Beratungsstelle der Caritas über die Krankenkassen finanziert wird, erstatten die Ersatzkassen die Kosten für entsprechende Gruppensitzungen für Essgestörte nicht. Selbst AOK, IKK und die BKKs fordern einen Eigenanteil für die Gesprächstherapie bei der Caritas.

Eine Tabuzone noch dazu mit doppeltem Boden: Wie Dr. Askan Hendrischke und Dr. Martin von Wachter von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin im Ostalb-Klinikum Aalen feststellen, ist kennzeichnend für den oft chronischen Verlauf der Erkrankung, dass sie von Betroffenen, Angehörigen oder Freunden selten auf Anhieb erkannt wird. Hinzu kommen wechselnde Behandlungsmotivation der Patienten, Hilflosigkeit in der Familie und Probleme im Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenenalter.

Die mit dem Netzwerk angestrebte integrierte Versorgung will sich daher um Flexibilität und enge Kooperation zwischen medizinischen und psychosozialen Behandlern sowie um die systematische Einbeziehung der Angehörigen bemühen.

Bereits im vergangenen Jahr hat sich im Ostalbkreis eine Arbeitsgruppe von niedergelassenen Ärzten (Hausärzte, Nervenärzte, Kinderärzte) und Psychotherapeuten, Vertretern der verschiedenen Kliniken und Beratungsstellen gebildet, zu der auch Berthold Weiß gehört, der Suchtbeauftragte des Ostalbkreises. Angestrebt ist eine Kooperation von unterschiedlichen therapeutischen Einrichtungen im ambulanten Bereich (Beratungsstellen), im tagesklinischen (Tagesklinik Hirschbach) und im stationären Bereich, um bestehende Hilfsangebote für essgestörte Patienten besser aufeinander abzustimmen und gleichzeitig vorhandene Lücken im Versorgungsangebot zu schließen.

Doch damit diese Kooperation nicht dem Goodwill oder dem persönlichen Interesse des einzelnen Therapeuten überlassen bleibt, sollen für dieses Netzwerk vertragsmäßige Rahmenbedingungen mit der AOK-Ostalb ausgehandelt werden. In diesen Tagen laufen erste Gespräche. Dr. Martin von Wachter erklärt: "Ohne Unterstützung seitens der Krankenkasse ließe sich unser Vorhaben nicht realisieren." Sprich: Hendrischke und Wachter hoffen auf einen finanziellen Topf, über den das Netzwerk Essstörungen künftig verfügen kann. "Dann", erklären sie, "wäre es auch möglich, einen Psychotherapeuten einzustellen - ambulant, in der Beratungsstelle oder im Krankenhaus - der einen lückenlosen individuellen Behandlungsweg für die einzelnen Patienten managt." Der Nebeneffekt: Dadurch würde gleichzeitig die stationäre Behandlungsdauer in der Klinik optimiert, verkürzt. Und einer chronischen Entwicklung der Erkrankung frühzeitig vorgebeugt. Weniger Behandlungskosten also, was eine Refinanzierung des netzeigenen Finanztopfs möglich machen könnte.

Das fachärztliche Symposium zum Thema "Essstörungen" am 10. Juli wird begleitet von einer Wanderausstellung unter mit Titel "Is(s) was?!". Eröffnung ist am 9. Juli im Forum des Ostalb-Klinikums Aalen. Geöffnet ist die Ausstellung bis 28. Juli ganztags für Besucher und Gruppen.


Schwäbische Post 22.8.2003 VON ULRIKE WILPERT

Die Sucht kann "verlernt" werden

Essstörungen nehmen zu. Auch Männer sind davon betroffen, obwohl es sich eindeutig um eine frauenspezifische Suchterkrankung handelt. "Noch immer gilt das Verhältnis 1:10", erklären Dr. Askan Hendrischke und Dr. Martin von Wachter von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin im Ostalb-Klinikum Aalen.

Zwischen Juli 2002 und Juni 2003 wurden in der Psychosomatischen Klinik zwölf Patienten mit reinen Essstörungen therapiert. Die Zahl ist zwar deutlich geringer als die der Patienten mit depressiven Störungen (19) oder Angststörungen (32). "Allerdings", gibt Chefarzt Dr. Hendrischke zu bedenken, "leidet auch ein Teil der Patienten mit Angststörungen zusätzlich unter Essstörungen." Der Teufelskreis beginne meist mit einer Diät aufgrund des Gefühls: Ich bin zu dick. "Und verselbständigt sich dann, auch wenn die anfänglichen Konflikte längst nicht mehr bestehen", fügt Oberarzt Dr. von Wachter an. Patienten, die aus eigenem Antrieb in die Psychosomatik kommen, haben sich zuvor meist ihrem Hausarzt anvertraut. Wachter: "Das sind meist magersüchtige Patienten mit kürzerer Leidensgeschichte." Eine weitere Tendenz zeigt sich: Von der Magersucht betroffen sind immer mehr Teenager. "Vor einigen Jahren noch war 17 Jahre das Eintrittsalter in die Magersucht, heute betrifft es schon 13-Jährige." Eine ernst zu nehmende Entwicklung. Denn: Rund 20 Prozent der Magersüchtigen stirbt an den Krankheitsfolgen.
"Die" Therapie für Essstörungen gibt es nicht. Was es gibt, sind verschiedene Ansätze nach dem Muster der Verhaltenstherapie. Schließlich handele es sich bei den Essstörungen um gelernte Verhaltensweisen, die wieder "verlernt" werden müssten, sagen die Mediziner. Dazu gehört in der Psychosomatischen Klinik in Aalen ein Behandlungsvertrag zwischen Arzt und Patient, in dem unter anderem ein Mindestgewicht festgelegt ist sowie wöchentliche Gewichtszu- oder -abnahme. Dazu gehört die Einbeziehung des famliären Umfelds in die Therapie, Ernährungsberatung, Einzel- und Gruppenpsychotherapie. Und dazu gehört auch, verborgene Gefühle wieder zu leben lernen im Rahmen von Körpertherapie, Musik- oder Kunsttherapie.
Gibt es Chancen, die Sucht ganz zu überwinden? "Ja", meint Hendrischke. Von Wachter: "Es gibt die Faustregel, dass ein Drittel der betroffenen Essgestörten nach der Therapie eine deutliche Besserung erfährt. Vier bis fünf Jahre nach der Behandlung haben 40 bis 50 Prozent der magersüchtigen Patienten noch einen guten Heilungserfolg. Bei 25 bis 30 Prozent ist er mittelmäßig oder schlechter."

info@neo-iv.de      Homepage aktualisiert am 13.08.2011 von M. v. Wachter